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owner of a lonely heart - twilightzone

Eine Krähe ... augerechnet eine Krähe ... obwohl ... bei genauerer Betrachtung erschien es nur logisch ... was auch sonst sollte man als erstes erblicken, wenn man auf einem Friedhof erwacht, als die schwarzen Augen einer Krähe ? ...
Der Vogel sass nur still da und starrte mich an, ich starrte zurück - während allmählich die Funken des Lebens in meinem Gehirn erwachten, die bleischweren Glieder allerdings noch weit vom normalen Funktionieren entfernt.
Fantasygeschichten hatte ich schon immer gemocht, trotzdem ... ausgerechnet jetzt mussten mir die alten Mythen vom Seelenbegleiter ins Reich der Vergangenen doch wirklich nicht einfallen ... natürlich ... es gibt ja auch sonst nichts, womit sich der Kopf beschäftigt, wenn man sich beim ersten Morgentau von Grabsteinen und wucherndem Efeu umgeben wiederfindet ...
"Verschwinde, ich bin nicht tot !!", sandte ich einen Gedanken an das lästige Federvieh aus, welches sich davon allerdings höchst unbeeindruckt zeigte.
Auch wenn ich mich überhaupt nicht erinnern konnte, was es mich an diesen merkwürdigen Ort verschlagen hatte - eines war sicher : ich musste schleunigst hier verschwinden. "Schleunigst" ... leichter gemurmelt als getan ... Versucht doch selber einmal auf eure Füsse zu springen, wenn eure Beine sich wie Wackelpudding benehmen, die Arme sich wie weiches Wachs gebärden, in eurem Kopf eine lustige Elefantenparty stattfindet und zu allem Überfluss das Herz rast, als wolle es einen 100 Meter Sprint gewinnen ... Von der Achterbahn, die im Magen Full-Speed-Loopings dreht, einmal ganz zu schweigen ...
Nach dem vierten Anflauf schaffte ich es zumindest, mich, halbwegs aufrecht, an die nahegelegene knorrige alte Birke zu klammern, darauf wartend, dass mein rasender Puls sich beruhigte. "Na, das kann ja heiter werden" ... Der Friedhof lag etwas ausserhalb der Stadt, mein Zuhause in etwa am genau entgegen gelegenen Ende.
Alle verbliebenen Kräfte zusammennehmend, machte ich mich auf den Weg. Schwankend und wankend, mehr schlecht als recht. Begleitet von vielen Pausen, in denen ich das immer wieder aufkommende Schwindelgefühl unterdrückte ... Begleitet von vielfach aufblitzenden Bildern, wohl Erinnerungsfetzen an die vorangegangene Nacht.
Das verlassene Fabrikgebäude, Stimmengewirr, laute Musik ... bekannte und unbekannte Gesichter - die Jungen betont cool und lässig wirkend, die Mädchen aufgestylt wie Supermodels ...
"Oh Mann, der Typ ist der Hammer"
"Du traust dich nie, den anzuquatschen ..."
"Nimm eine von denen, das macht dich locker"

Aus den Augenwinkeln nahm ich den Schatten der Krähe wahr, mich aus unerfindlichen Gründen hartnäckig verfolgend. Manchmal nicht mehr als eine Ahnung, allerdings, jedes Mal, wenn sie endlich verschwunden schien, so intensiv, als würde sich ihr Blick gradewegs unter meine Haut bohren.

"Hey, sie atmet kaum noch ..."
"Lass uns verschwinden ..."
"Aber ... aber, wir können doch nicht ... wir müssen doch ..."
"Nun komm ... wir kriegen sonst den Megastress"...


Endlich, die Haustür in Sichtweite, die letzten Meter, eine letzte Anstrengung ...
Verdammt - der Schlüssel, wo ?? ... Egal, irgendwie gelangte ich ins Haus und ließ mich erleichtert auf einem der Küchenstühle niedersinken.
Meine Mutter war wohl viel zu beschäftigt, um mich wahrzunehmen ... konzentriert in ein Gespräch mit zwei uniformierten Polzisten vertieft. Die Anwesenheit der Beamten irritierte
mich zwar leicht, allerdings interessierten mich die Beweggründe für ihren Besuch momentan herzlich wenig - vielmehr galt meine ganze Aufmerksamkeit dem Photo, das auf der Anrichte stand. "Ein Trauerflor ??? Wieso ziert da eine schwarze Seidenschleife mein Bild ???"
Auf der Suche nach einer Antwort wanderten meine Augen zu meiner Mutter ... "Seid wann durchzogen graue Strähnen ihr Haar ? Und ... ihr Ausdruck ... so erstarrt, leblos, leer - im besten Fall ein Schatten ihrer selbst ??" Ihre Hände spielten nervös mit einem alten Zeitungsbericht, abgegriffen, zerknittert, wie tausende Male studiert und nie verstanden. Kalte Schauer liefen über meinen Rücken, denn, ohne die Zeilen lesen zu können, erfasste ich plötzlich ihren Sinn, zugleich drangen die am Tisch gesprochenen Worte wie Trommelfeuer direkt in mein Gehirn. "Ein Jahr, doch endlich konnten wir den Dealer fassen ... Ein Junge, 16, kaum älter als Ihre Tochter ... hätte nur einer ihrer Freunde den Mut bessessen, Hilfe zu holen ... jede ärztliche Hilfe zu spät ..."
"Klopf, klopf" ... ein Picken am Fenster ... die Krähe ... natürlich ... die Krähe ... Sie lächelte (?!?) ... in ihrer Welt gab es kein Verständnis dafür, warum Menschen dazu neigen, sich selber zu zerstören ... "Nun komm schon - wir müssen ... "
Und so brachte sie mich zurück, zurück an jenen Ort, an dem alles Bedauern und alle Reue für immer ohne jegliche Bedeutung sind ...
24.4.15 23:14
 
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